KRANKHEITSBILDER
VORZEITIGER SAMENERGUSS (EJACULATIO PRAECOX), EJAKULATIONSSTÖRUNG, SEXUELLE STÖRUNG DES MANNES, MÄNNERGESUNDHEIT
Als vorzeitigen Samenerguss (die genaue Übersetzung der lateinisch-wissenschaftlichen Bezeichnung "Ejaculatio praecox") bezeichnet man die sexuelle Störung, bei der der Mann seinen Samenerguss oder Orgasmus zu früh bekommt, d.h. "zu früh kommt".
Bei Interesse lesen Sie auch die von uns zuletzt publizierte Studie oder einen im Deutschen Ärzteblatt erschienenen Übersichtsartikel in Wissenschaft/Studien.
Im Extremfall ist es ihm dabei schon unmöglich, überhaupt in die Scheide einzudringen, oder es reicht allein schon der Gedanke an eine sexuell erregende Situation, um einen Orgasmus zu bekommen. Dies ist jedoch selten. Meist tritt der Samenerguss während oder rasch nach dem Einführen des Penis in die Scheide auf.
Im Gegensatz zu vielen weitverbreiteten Vorstellungen (sexuellen Mythen) haben wissenschaftliche Untersuchungen gezeigt, dass die meisten Männer ihren Orgasmus/Samenerguss innerhalb von drei Minuten nach Eindringen in die Scheide bekommen. Doch gibt es selbstverständlich Männer, die ihren Samenerguss wesentlich länger zurückhalten können oder Männer, die deutlich früher ihren Orgasmus bekommen. Deshalb ist das wichtigste Kriterium zur Beurteilung der "Vorzeitigkeit", dass der Samenerguss von beiden Partnern als zu früh erlebt wird und dies die sexuelle Beziehung belastet. Deshalb ist es wichtig, sich sowohl eine Vorstellung zu machen, was "normal" sein kann, als auch die Wünsche und Vorstellungen der Partnerin zu kennen: Was ein Mann als zu früh erlebt, kann für die Frau schon längst zu spät sein.
Der vorzeitige Samenerguss ist das häufigste sexuelle Problem des Mannes. Dabei wird beinahe jeder Mann schon einmal einen vorzeitigen Samenerguss erlebt haben oder gelegentlich erleben. Dies ist völlig normal und hat viel mit der Umgebung, Stimmung und Anspannung in der jeweiligen Situation zu tun. Zum Problem wird es nur, wenn ein vorzeitiger Samenerguss in der Mehrzahl der sexuellen Kontakte auftritt. Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge haben bis zu 35% aller Männer mehr als gelegentlich einen vorzeitigen Samenerguss.
Prinzipiell kann ein vorzeitiger Samenerguss in jedem Alter auftreten. Doch beginnt das Problem meist schon im jugendlichen Alter. Häufig verliert sich das Problem mit fortschreitendem Alter. In der Regel gilt, dass je ungewohnter und aufregender eine sexuelle Situation erlebt wird, desto höher die Wahrscheinlichkeit ist, dass ein vorzeitiger Samenerguss auftritt. Und dies ist eher unabhängig vom Alter.
Ein vorzeitiger Samenerguss kann zu einer erheblichen Belastung der Beziehung zwischen Mann und Frau führen. Oft hat der Mann dabei das Gefühl, wenig Befriedigung zu erleben oder den Samenerguss nicht zu spüren. Manchmal entwickeln sich so Schwierigkeiten, eine Erektion zu halten oder ein Verlust von sexueller Erregung. Dies geschieht oft aus einer übergroßen Bestrebung heraus, den Samenerguss hinauszuzögern. Der Mann ist dabei so stark mit Gedanken an "Technik" oder dem Vermeiden von Bewegung beschäftigt, dass der Spaß an der sexuellen Bewegung völlig verloren geht. Oft wird deshalb auch vom Mann das "Vorspiel" extrem verkürzt, um selber nicht zu stark erregt zu werden – dies hat dann oft einen Mangel an Erregung bei der Frau zur Folge. Daraus kann dann ein schmerzhafter, unbefriedigender sexueller Kontakt für die Frau resultieren – ohne Orgasmus. In vielen Fällen hat dies dann wieder eine deutlich reduzierte Anzahl von Sexualkontakten zur Folge – bis hin zum völligen Verzicht.
Nur in wenigen Fällen liegt bei einem vorzeitigen Samenerguss eine körperliche Krankheit oder Ursache (z.B. eine Entzündung in der Harnröhre) vor. Bei den meisten Männern passiert ein vorzeitiger Samenerguss in aufregenden Situationen in der Jugend (z.B. einem kurzen sexuellen Kontakt mit der Freundin, wenn die Eltern für wenige Zeit aus dem Haus sind). Mit zunehmendem Alter und sexueller Erfahrung lernt der Mann dann, seinen "Ejakulationsreflex", d.h. den Punkt an dem ein Samenerguss unausweichlich wird, einzuschätzen und Sexualkontakte gestalten sich weniger aufregend. Bei Männern, denen diese Kontrolle nicht gelingt, finden sich häufig ein überhöhtes Angstniveau, vermindertes Selbstwertgefühl und die Vorstellung, ein schlechter Liebhaber zu sein. Dabei wird dann oft das Problem durch ein krampfhaftes Bemühen um Verzögerung des Samenergusses oder durch unbeabsichtigt negativ aufgefasste Bemerkung des Partners verschlimmert.
Die meisten Männer können das Problem des vorzeitigen Samenergusses in den Griff bekommen. Doch wird bei vielen die Hilfe eines Spezialisten (z.B. Urologen) nötig sein. Der erste Schritt ist dabei ein offenes Gespräch mit Ihrer Partnerin, denn obwohl Sie vielleicht das Gefühl haben, zu früh zu kommen, heißt dies noch lange nicht, dass Ihre Partnerin damit unzufrieden ist. Manchen Männern hilft häufiges Ejakulieren, beispielsweise durch Masturbation, die Erregbarkeit für sexuelle Reize herabzusetzen. Als hilfreich beim Erlernen von Kontrolle über dem "Ejakulationsreflex" hat sich auch die Übung der "Stop-Start"-Technik" herausgestellt.
Sie selbst oder ihre Partnerin stimulieren den Penis, bis Sie das Gefühl haben, dass ihr Samenerguss beim weiteren Streicheln unausweichlich wird. An diesem Punkt unterbrechen sie Stimulation und fahren fort, wenn ihre Erregung nachgelassen hat. Dies wiederholen Sie viermal, bevor Sie dann wirklich ejakulieren. Auf diese Art ist Kontrolle über den Ejakulationsreflex erlernbar.
Die "Squeeze- Technik nach Masters und Johnsen":
Durch manuelle (durch die Hand etc.) der Partnerin sollte bis kurz vor den Samenerguss stimuliert werden. Dann drückt die Partnerin mit der Daumenspitze fest auf die Rückseite des Penis direkt unterhalb der Eichel.(Frenulumbereich) Dies sollte den Ejakulationsreflex unterbrechen (meistens) und bei Anwendung über eine längere Zeit den gewünschten Erfolg erbringen.
Diese Techniken sind leider ein Training und sollten oft und über längeren Zeitraum durchgeführt werden.
In vielen Sex-Shops werden Hilfsmittel zur Kontrolle des Samenergusses angeboten (z. B. anästhetische Cremes). Diese sind leider oft wenig durch wissenschaftliche Untersuchungen erprobt, die Anwendung ist lästig oder unangenehm, der Erfolg gering.
Das Auftragen von bestimmten Lokalanästhetika auf die Eichel sollte vom Arzt verordnet werden. Es gibt lokalanästhetische Cremes die in die Haut einziehen. Diese sínd zu bevorzugen, weil hier bei richtiger Anwendung nicht die Gefahr besteht, der Partnerin die Klitoris zu betäuben, was dann natürlich zu Problemen führt.
Anwendung: Creme vor Geschlechtsverkehr dünn auf Eichel und vor allem unterhalb der Eichel im Bereich des Bändchens (Frenulum) auftragen. Kondom überziehen. 20-25 Minuten einwirken lassen. Kondom entfernen. Creme mit Wasser abwaschen. (Die oben beschriebene Technik nach Masters und J. sollte zusätzlich verwendet werden.)
Einzunehmende Medikamente sollten das letzte Mitte sein, da die verwendeten Medikamente (meist Psychopharmaka) auch in der richtigen Dosierung zu einer Beeinträchtigung der Reflexe führer, die eine Führung von Maschinen und Kraftfahrzeugen behindern könnten.
Da wir oft danach gefragt werden: Die Beschneidung (Circumcision) wird wahrscheinlich nicht zu einer Verbesserung des Problems führen.
Dapoxetin (Priligy®) ist seit Juni 2009 in Deutschland als erstes Medikament gegen vorzeitige Ejakulation (Samenerguss) zugelassen.
Dapoxetin ist ein Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI). SSRIs werden normalerweise als Antidepressiva gegen Depressionen eingesetzt. Bekanntlich können Libido-Abschwächung und Erektionsstörungen unter SSRI auftreten. Dapoxetin (Priligy) macht sozusagen aus der Not eine Tugend: Die Nebenwirkung wird zur Indikation gehoben.
Anwendung: Therapie von vorzeitiger Ejakulation (Ejaculatio praecox, EP) bei Männern zwischen 18 und 64 Jahren. Dapoxetin gibt es in zwei Dosierungen (30mg und 60mg) und wird bei Bedarf eingenommen.
Studien zeigten, dass Dapoxetin im Vergleich zu Placebo die Zeit bis zur Ejakulation um 1,3 (30mg Dosis) bis 1,6 Minuten (60mg Dosis) verlängerte.
Es ist sicherlich vernünftig, wenn Sie ein Gespräch mit ihrem Urologen suchen.
Dieses Krankheitsbild gehört zum Fachgebiet des Andrologen. Unsere andrologische Praxis beschäftigt sich auch wissenschaftlich mit diesem Thema. Sprechen Sie uns an!







