WISSENSCHAFT UND STUDIEN
MÄNNERGESUNDHEIT – SOZIOLOGISCHE GESCHLECHTSSPEZIFISCHE ASPEKTE – PRÄVENTION AM BEISPIEL DES PROSTATAKARZINOMS
Th. Klotz, M.J. Mathers, F. Sommer.
Die Medizinische Welt 2007 58 3: 85-90.
Die geschlechtsspezifische Lebenserwartung ist für Männer um zirka 6,5 Jahre kürzer als für Frauen. Dies gilt in unterschiedlichem Ausmaß für alle industrialisierten Nationen. Es existieren sehr viele Hypothesen, diese Unterschiede in der Lebenserwartung zu erklären. Die isolierte Betrachtung der höheren Prävalenz der koronaren Herzerkrankung oder von Malignomen bei Männern greift zu kurz und kann nur der Beginn einer unvoreingenommen Betrachtung des geschlechtsspezifischen Gesundheitszustands sein.
Ebenso ist die einfache These, dass weibliche und männliche Denkund Verhaltensmuster für gesundheitliches Risikoverhalten steuerbaren Sozialisationprozessen oder einer "vernünftigen" Einsicht unterliegen, leider falsch und wird tagtäglich widerlegt. Das Zusammenspiel genetischer und umweltbezogener Risikofaktoren sowie der Sozialisation ist außerordentlich komplex und kaum geklärt. Die geschlechtsspezifischen Betrachtungen von Risikoverhalten und Lebensqualität legen nahe, dass ein gesundheitsbezogener Lebensstil, Aufklärung sowie präventive Interventionen vor allem bei männlichen Individuen vor der Pubertät einsetzen müssen, um für die Mortalität und Morbidität im Laufe des Lebens wirksam zu werden. Primärprävention wird eine der Hauptaufgaben für ein zukünftiges Gesundheitswesen sein. Die Beschäftigung mit geschlechtsspezifischem Risikoverhalten und den daraus resultierenden Konsequenzen für die präventive und kurative Medizin stellt immer noch wissenschaftliches Neuland dar.





